Son Goku, Spider-Man und Glauben - Wo uns Religion alles begegnet

Religion begegnet dir eigentlich nicht in deinem Alltag? Vielleicht doch mehr als du denkst. Gerade in Filmen, Serien, Liedern und Büchern wird immer wieder mit religiösen Geschichten und Symbolen gespielt oder sie werden aufgegriffen. Das ist dir noch nicht aufgefallen? Dann gibt es hier einige Beispiele. Dir fallen danach bestimmt noch mehr ein.

Spider-Man lehnt sich an eine Ziegelwand an und liest ein Buch
Bild von Road Trip with Raj auf Unsplash

Medien sind nicht mehr wegzudenken

Medien sind mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Alltags. Insbesondere für Jugendliche spielen sie eine große Rolle. Sei es über das Smartphone, das Tablet oder den Laptop – immer wieder wirft man einen Blick auf die neuesten Nachrichten, schaut sich verschiedene Videos auf YouTube an, hört Musik oder streamt seine Lieblingsserien.


Laut der „Jugend, Information, Medien– Studie 2019“ (JIM-Studie) besitzen 95% der Jugendlichen ein Smartphone, 65% besitzen einen Computer oder einen Laptop. Fragt man die Jugendlichen selbst nach ihrer eigenen Internetnutzung, so geben sie an, durchschnittlich täglich etwa 205 Minuten (3 Stunden und 25 Minuten) das Internet zu nutzen.


Weil Medien ein so großer Bestandteil unseres Alltags sind, ist man in der Forschung zur Schlussfolgerung gekommen, dass Medien auch einen Einfluss auf Bildungs- und Erziehungsprozesse von Jugendlichen haben.

Religiöse Elemente in Medien

Wenn bei „Dragon Ball“ Son-Goku stirbt und aus dem Jenseits mit einem Heiligenschein auf die Erde zurückkehrt; wenn im K-Pop Musikvideo „How You Like That“ von BLACKPINK die Sängerinnen eine Treppe hinuntersteigen und es mit der Statue im Hintergrund so wirkt, als ob sie Engelsflügel hätten;

dann sind das alles Elemente und Aspekte aus einem religiösen Kontext, die in Medien aufgegriffen werden. Das kommt öfter vor, als man zunächst annehmen möchte und wird zum Beispiel gemacht, um damit bestimmte Symbole zu verwenden und eine bestimmte Botschaft zu vermitteln. In manchen Filmen und Serien orientiert man sich auch noch stärker an biblischen Geschichten und stellt Parallelen her.


Zum Beispiel: In der dritten Staffel von „Stranger Things“ wird die Freundesgruppe von einem Demogorgon angegriffen. Um die Anderen zu verteidigen, greift Lucas zu seiner Steinschleuder und stellt sich heldenhaft dem Monster. In dieser Szene wird der berühmte Zweikampf von David gegen Goliath aus dem Alten Testament nachempfunden, wobei David es schaffte, ebenfalls mit einer Steinschleuder seinen überlegenen Gegner zu bezwingen. Auch im Koran findet die Geschichte von Dāwūd und Dschālūt Erwähnung, wenn auch in deutlich kürzerem Umfang. (2:249-252)


In „Stranger Things“ lassen sich noch viel mehr Parallelen zu biblischen Geschichten finden. Die Tiefgründigkeit dieser Szene lässt sich nicht ganz verstehen, wenn man nicht die religiösen Hintergründe kennt und die Parallelen nicht herstellen kann. Wenn man Medien bewusst konsumiert, kann man genau diese Elemente besser identifizieren und über mögliche Bedeutungen philosophieren. Das zeigt auch, dass Religion uns im Alltag auf ganz verschiedenen Ebenen begegnet, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Religiöse Wertvorstellungen in Filmen

In vielen Filmen, Serien oder aber auch in Liedern gibt es eine bestimmte Botschaft, die vermittelt wird, ein bestimmtes Motiv, welches hervorgehoben wird oder Werte, die betont werden. Oft sind das Motive und Werte, die auch aus religiöser Perspektive wichtig sind.


Nachdem Spider-Man seine speziellen Fähigkeiten erlangt hat, ist er bemüht in seinem Umfeld zu helfen und Gutes zu tun. Neben größeren Heldenaktionen und Kämpfen gegen Superschurken, kümmert er sich auch um kleinere Dinge, wie etwa in „Spider-Man: Homecoming“, wenn er versucht den Besitzer eines Fahrrads zu finden.

Auch aus religiöser Sicht ist es wichtig, anderen Menschen zu helfen, was der Prophet folgendermaßen hervorhebt: „Der nützlichste Mensch ist der, der den anderen Menschen von Nutzen ist.”


Ein anderes Beispiel wäre der Film Matrix. Neo wählt dort die rote Pille und wacht im nächsten Moment in einer düsteren, von Maschinen kontrollierten Welt auf. Ihm wurden die Augen geöffnet, indem er das Leben als Scheinwelt und Trugbild erkannt hat und in ein neues Leben eintritt.

Das Motiv der Auferstehung findet sich auch im religiösen Kontext wieder. Auch im Koran wird das Diesseits als eine intensive Welt dargestellt, die dennoch nicht an die Schönheit der jenseitigen hinanreicht: „Dieses irdische Leben ist nur Zerstreuung und Spiel. Die jenseitige Wohnstätte aber ist wahrlich das eigentliche Leben, wenn sie (es) nur wüßten!“ [29:64]


So lassen sich noch deutlich mehr Szenen aus Filmen, Serien und Liedern finden, die Themen und Werte ansprechen, die auch in Religionen eine Rolle spielen.

Das bedeutet einerseits, dass Medien Werte vermitteln, die auch religiöse Werte sein können. Andererseits bedeutet das auch, dass Jugendliche mit bestimmten Themen durch Medien konfrontiert werden, ohne zuvor die religiöse Konnotation zu kennen.

Wenn es um Muslim*innen/Islam in Medien geht…

Auch ein wichtiges Thema ist, wie Religion in Medien thematisiert wird. Schaut man sich zum Beispiel die Berichterstattung an, so fällt auf, dass über den Islam und Muslim*innen verhältnismäßig oft negativ, bzw. z.B. im Zusammenhang mit Anschlägen und Islamismus berichtet wird. Diese Tendenz wird auch von zahlreichen Studien bestätigt und natürlich auch von Muslim*innen wahrgenommen. Vor allem für Jugendliche ist es wichtig darüber zu sprechen und auch auf emotionaler Ebene auszuwerten.


Wie fühle ich mich, wenn so berichtet wird? Warum wird so oft negativ Bericht erstattet? Warum gibt es so selten positive Nachrichten? Das sind Fragen, die man gemeinsam besprechen kann, um die Situation besser nachzuvollziehen. Man kann Positivbeispiele aufzeigen und Wege finden, wie man dagegen vorgehen kann, um nicht in eine Ohnmacht zu fallen.


Es fehlt momentan leider an sichtbaren muslimischen Vorbildern. Wenn wir uns muslimische Rollen in Filmen und Serien anschauen, sind es momentan noch sehr stereotypische Charaktere.

In der spanischen Teen-Serie „Élite“, welche auch auf Netflix ausgestrahlt wird, wird eine stereotypische muslimische Familie dargestellt. Ein gewalttätiger, oppressiver Vater; die unterdrückte Tochter, die gezwungen wird ein Kopftuch zu tragen und zwangsverheiratet werden soll,… Rollen also, die die altbekannten Vorurteile aufgreifen, von welchen sich die meisten Muslim*innen nicht repräsentiert fühlen.


Wenn es mehr an positiven, muslimischen Rollenmodelle in populären Medien und Vorbildern in repräsentativen Positionen gibt, können wir die Vielfalt der muslimischen Community besser widerspiegeln.

ERKAN BINICI

Erkan Binici (M.A.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Islamische Religionspädagogik an der Uni Tübingen. Er arbeitet auch als Referent in der politischen Bildungsarbeit und Medienpädagogik.

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Infobox

Benutzte Quellen

  • Koranübersetzung nach Bubenheim, Frank und Elyas, Nadeem

  • Hidden Biblical Allusions in Stranger Things Finally Explaiianed + Giveaway. YouTube; 7.4.2020. [https://www.youtube.com/watch?v=DAPJyLr0lV0. Zuletzt aufgerufen: 26.10.2020].

  • British Priest reacts to BLACKPINK -'How You Like That'. YouTube; 6.7.2020. [https://www.youtube.com/watch?v=EcJJcEkAMbY. Zuletzt aufgerufen am 26.10.2020].

  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hg.): JIM 2018 – Jugend, Information, Medien – Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart, 2018.

  • Pirner, Manfred L.: Religiöse Mediensozialisation? – Empirische Studien zu Zusammenhängen zwischen Mediennutzung und Religiosität bei SchülerInnen und deren Wahrnehmung durch LerhrerInnen. München: Kopaed.

  • Pirner, Manfred L.; Wolfgang Pfeiffer und Rainer Uphues (Hg.) (2013): Medienbildung in schulischen Kontexten – Erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Perspektiven. München, 2013.

Hadithe

Bukhārī: Sahīh, Maghāzī 35.